Die Nacht ist heller als der Tag.

Das kurze Leben des Malers Andreas Walser

«Die Nacht ist heller als der Tag» ist der erste Film über den Schweizer Maler Andreas Walser, der 1930 im Alter von 22 Jahren in Paris vermutlich an einer Überdosis Drogen wie Morphium und Opium starb. Walser lebte und arbeitete zwischen Euphorie und Verzweiflung, Hoffnung und Todessehnsucht. Sein erhaltenes Werk ist umfangreich, eigenständig, war aber Jahrzehnte lang verschollen. Die Dokumente zu Walsers Leben erzählen eine ergreifende Lebensgeschichte, die nach einer filmischen Form verlangen, die dieses Drama so spannend wie es war, zu erzählen vermag: Mit Schauspielern/Sprechern, die für einmal nicht spielen, sondern bei der Lesearbeit mit Walser-Briefen und -Texten im Tonstudio zu sehen sind. Ueli Jäggi liest aus den bewegenden Briefen Ernst Ludwig Kirchners, der aus eigener Drogenerfahrung, wusste, wovor er den jungen Malerfreund warnte.

Die Mitwirkenden bringen zu Walser, seiner Zeit und seinem Umfeld ebenso viel Wissen wie Leidenschaft mit: Der Film- und Opernregisseur Daniel Schmid, der Publizist Stefan Zweifel, der Kunsthistoriker Rudolf Koella und Emmanuel Wiemer, der vor 25 Jahren auf einem Pariser Dachboden den grössten Teil von Walsers erhaltenem Werk entdeckte.
Walsers Welt spiegelt sich auch in visuellen Atmosphären (Kamera: Matthias Kälin), die Paris als nächtliches Lichtereignis zeigen. Die Film-Reise führt aber auch über Marseille nach Korsika und in Andreas Walsers Heimat Graubünden.

Biographie Andreas Walser

Am 28. September 1928 trifft ein junger Schweizer in Paris ein, um Maler zu werden. Er schleust sich rasch in den Kreislauf des Pariser Künstler- und Literatenlebens ein. Jean Cocteau macht seinen «cher petit» mit Picasso bekannt. Der «Meister» ist angetan von Walsers Arbeiten und vermittelt erste Verkäufe seiner Bilder.

Seine Homosexualität lebt Walser befreit von sozialer Kontrolle und liefert sich in den Strassen und Cafés dem Schauen und Staunen aus. Augenblicke von Hochgefühl und Überschwang bezahlt Andreas jedoch zunehmend mit der Einsicht, dass er sein «Gründlichstes und Tiefstes» nur leisten kann, wenn er leidet. «Grenzenlose Müdigkeit» bekämpft er nicht nur mit Drogen wie Opium und Morphium, sondern auch mit «flaschenweise Liqueurs». Ernst Ludwig Kirchner, der aus eigener Drogenerfahrung weiss, wovon er schreibt, versucht in mahnenden Briefen, Walser von den «Giften» weg zu bekommen.

Im Januar 1930 reist Andreas Walser mit zwei Freunden voller Zuversicht nach Korsika. Zurück in Paris werde er all das malen, was er am Meer gesehen habe. Die Euphorie ist kurz, denn Walser ahnt, dass die künstlerische Schaffenskraft ohne die Intensität des Pariser Lebens nicht zu haben ist. Auch gesundheitlich erholt er sich nicht wirklich und fühlt sich unfähig zur «grossen Arbeit».

In seinen letzten Bildern sieht Walser dennoch einen Fortschritt, fühlt sich aber «dort, wo gar niemand mir helfen kann», immer elender. Am 19. März 1930 stirbt Andreas Walser kurz vor seinem 22. Geburtstag, vermutlich an einer Überdosis Drogen.